Wenn mir jemand in meiner Jugend gesagt hätte, dass ich einmal Schmied werden und einen großen Teil meines Lebens in einer Schmiede verbringen würde, um Eisen zu erhitzen und zu formen, hätte ich wahrscheinlich nur gelacht. Mein Bildungsweg deutete zunächst überhaupt nicht in diese Richtung. Ich habe Mechanisierung an einer technischen Schule gelernt, später Wirtschaftsrecht, öffentliche Verwaltung, Marketing und noch einige weitere Fachrichtungen studiert. Das Leben führte mich jedoch auf einen ganz anderen Weg.

Der Beginn meines selbstständigen Lebens fiel in die Zeit, in der Estland seine Unabhängigkeit wiedererlangte. Es war eine ziemlich unübersichtliche Zeit. Viele alte Strukturen zerfielen, neue entstanden erst nach und nach, und die Menschen suchten ihren Platz in einer sich schnell verändernden Welt. Durch eine merkwürdige Verkettung von Umständen landete ich in einer staatlichen Behörde. Damals schien das ein vernünftiger Schritt zu sein. Nach einiger Zeit merkte ich jedoch, dass diese Welt nicht wirklich zu mir passte. Es gab viel Bürokratie, wenig Entwicklungsmöglichkeiten, und jeder Tag fühlte sich an wie eine Kopie des vorherigen.

Auf einer Wanderung in der Hohen Tatra änderte sich alles.

Wer schon einmal in den Bergen war, weiß, dass die Gedanken in der Höhe manchmal andere Wege nehmen. Die Luft ist dünner, das Tempo langsamer, und der Kopf wird frei vom Alltag. Genau dort, mitten in den Bergen, kam mir ein völlig unerwarteter Gedanke: Ich werde Schmied.

Ehrlich gesagt kam dieser Gedanke ziemlich aus dem Nichts.

Ganz zufällig war er aber doch nicht. Während meiner Zeit an der technischen Schule hatte ich in Werkstätten bereits ein wenig Schmiedearbeit ausprobiert. Wenn die anderen nach Feierabend nach Hause gingen, blieb ich manchmal noch in der Schmiede und experimentierte weiter. Damals hatte fast jede größere Werkstatt auf dem Land ihre eigene Schmiede. Mir gefiel das Gefühl, wenn heißes Metall unter Hammerschlägen seine Form veränderte. Irgendetwas daran sprach mich einfach an.

Als ich nach Estland zurückkehrte, legte ich in der Behörde meine Kündigung auf den Tisch, nahm meinen Rucksack und begann, nach einem Meister zu suchen, der bereit war, einen Lehrling aufzunehmen.

Die ersten Schritte in der Schmiede

Einen solchen Meister fand ich in Tallinn, am Olevimägi. Dort befand sich damals die älteste durchgehend arbeitende Schmiede Estlands. Heute gibt es an diesem Ort ein Café, und statt Schmiedearbeit findet dort etwas ganz anderes statt.

In der Altstadt von Tallinn zu arbeiten war eine besondere Erfahrung. Die Häuser standen dicht an dicht, und an große mechanische Hämmer war nicht zu denken. Alles musste von Hand gemacht werden. Das bedeutete unzählige Hammerschläge, körperliche Arbeit und viel Geduld.

Rückblickend war dieses Jahr von unschätzbarem Wert. Genau dort lernte ich die Grundlagen des Handwerks. Ich lernte, das Verhalten von Metall zu verstehen, Werkzeuge richtig einzusetzen und Arbeitstechniken zu beherrschen. Noch wichtiger war jedoch die Haltung zur Arbeit. Handwerk ist nicht nur Technik. Es ist die Fähigkeit, im Material Möglichkeiten zu sehen und sich die Zeit zu nehmen, etwas wirklich sorgfältig zu machen.

Von dort führte mich mein Weg in eine andere Schmiede in der Nähe von Pärnu. Ich glaube, genau dort entwickelte sich später meine eigene Handschrift und mein Verständnis davon, was gute Schmiedearbeit ausmacht.

Mein Meister war nicht nur ein hervorragender Schmied. Er hatte auch den Blick eines Künstlers. Er konnte Formen und Proportionen auf eine Weise sehen, die man aus keinem Lehrbuch lernen kann. Bei der Arbeit an seiner Seite verstand ich, dass Schmieden nicht nur das Formen von Metall ist. Es ist Gestaltung. Es ist Kreativität.

Die Geburt der eigenen Schmiede

Unsere Zusammenarbeit endete ziemlich unerwartet.

Eines Tages betrat mein Meister mit ernster Miene die Schmiede und sagte:

„Entweder du übernimmst die Schmiede, oder du bist arbeitslos. Ich ziehe aus Estland weg.“

Allzu viele Möglichkeiten gab es nicht.

Ich dachte kurz darüber nach und kam zu dem Schluss, dass man auch später noch arbeitslos werden kann. Die Chance, ein eigenes Unternehmen aufzubauen, kommt vielleicht nie wieder.

Am 1. September 1997 registrierte ich das Unternehmen Thormani talu.

Von Anfang an hatte ich drei Mitarbeiter. Auch sie wären ohne Arbeit geblieben, wenn ich mich nicht entschieden hätte, den Betrieb weiterzuführen. Meine erste eigene Schmiede richtete ich in ehemaligen Stall- und Wirtschaftsgebäuden ein, die nach dem Zerfall der Kolchosen leer standen. Das Gebäude war Ende der achtziger Jahre gebaut worden und hatte jahrelang ungenutzt dagestanden.

Die überdachte Fläche betrug mehrere tausend Quadratmeter.

Ich kaufte den Gebäudekomplex, brachte einige Räume in Ordnung und wir begannen zu arbeiten.

Der Anfang war bescheiden, doch die Dinge entwickelten sich schnell. Schon nach einigen Jahren arbeiteten dreizehn Menschen im Unternehmen. Unsere Handwerks- und Schmiedearbeiten gelangten auf die Formex und auf viele andere große und kleine Messen.

Eine Zeit lang konnte ich sogar sagen, dass es sich wohl um eines der größten Unternehmen Estlands handelte, das handgeschmiedete Produkte herstellte.

Handwerk und Schmiedekunst auf dem skandinavischen Markt

Damals war das Interesse an handwerklicher Fertigung in den nordischen Ländern sehr groß. In Finnland, Schweden und Norwegen wurden handgefertigte Schmiedearbeiten hoch geschätzt. Estnische Hersteller konnten hochwertige Arbeit zu vernünftigen Preisen anbieten, und es gab genügend Aufträge.

Es war eine spannende Zeit.

Wir stellten Kerzenhalter, Leuchten, dekorative Elemente, Möbelteile und vieles mehr her. Alles entstand in Handarbeit. Jedes Stück ging durch die Hände eines Schmieds und trug kleine Eigenheiten in sich, die man in der Massenproduktion nicht findet.

Im Laufe der Jahre stiegen jedoch die Produktionskosten immer weiter. Das Interesse der Wiederverkäufer nahm ab, und wir mussten nach neuen Möglichkeiten suchen.

So kam ich schließlich zum Direktverkauf.

Märkte, Mittelalterveranstaltungen und neue Bekanntschaften

Es folgte eine mehr als zehn Jahre lange Phase, in der ich einen großen Teil meiner Zeit auf Märkten, Mittelalterveranstaltungen und Handwerksfestivals verbrachte.

Ich bereiste weite Teile Finnlands und Schwedens. Turku, Isokyrö, Visby, Åland, Pajala und viele andere Orte wurden mir vertraut. In Deutschland nahm ich an den Internationalen Hansetagen in Herford teil.

Diese Reisen brachten weit mehr als nur Verkaufsmöglichkeiten.

Ich traf Schmiede, Holzhandwerker, Textilkünstler und viele andere Menschen aus der Handwerksszene. Ich sah unterschiedliche Arbeitsweisen und lernte lokale Traditionen kennen. Gerade an solchen Orten entstehen die interessantesten Ideen und die wertvollsten Kontakte.

Eine meiner schönsten Erinnerungen ist mit der Region Petäjävesi in Finnland verbunden, wo ich auch mein Zeichen am Schmiededenkmal hinterlassen durfte. Außerdem habe ich meine Arbeiten in der Leinenweberei Klässbol in Schweden präsentiert, einem in ganz Skandinavien sehr bekannten und geschätzten Ort.

Wenn Handwerk wirklich authentisch sein muss

Im Laufe der Jahre war ich auch an mehreren Restaurierungsprojekten für Museen und historische Gebäude beteiligt.

Bei solchen Arbeiten reicht es nicht, dass ein Gegenstand einfach nur alt aussieht. Er muss dem Original möglichst genau entsprechen.

Einer der einprägsamsten Aufträge war die Herstellung von etwa zehntausend handgeschmiedeten Nägeln für die Restaurierung eines historischen Gebäudes in Finnland.

Die Nägel waren fast 120 Millimeter lang, mussten sehr genaue Maße haben, und die zulässige Abweichung betrug nur wenige Millimeter. Auch die Oberflächenbehandlung war streng vorgegeben. Altes Motoröl durfte natürlich nicht verwendet werden. Erlaubt waren Mischungen auf Basis von Leinöl und Bienenwachs.

Diese Nägel wurden zur Befestigung der Dachlattung verwendet, auf die anschließend ein fast einen halben Meter dickes Reetdach aufgebracht wurde.

Die Arbeit war enorm umfangreich.

Das Lustige daran ist: Wahrscheinlich wird kaum jemand diesen Aufwand jemals bemerken. Besucher sehen ein schönes altes Gebäude, denken aber nicht darüber nach, welche Nägel sein Dach zusammenhalten. Und doch sind es genau solche Details, die echte Authentizität schaffen.

Arbeiten, die man jeden Tag sehen kann

Zum Glück gab es auch Projekte, die Menschen im Alltag sehen können.

In Tallinn haben mehrere bekannte Restaurants einen großen Teil ihrer geschmiedeten Einrichtung von mir erhalten. Dazu gehören zum Beispiel Olde Hansa, Beer Garden und Kochi Aidad.

Für Kochi Aidad entstanden sowohl Innen- als auch Außenleuchten sowie mehrere dekorative Elemente.

Auch für das Viking Restaurant Harald in Finnland habe ich Schmiedearbeiten hergestellt.

Bei solchen Projekten ist es besonders schön, später zurückzukehren und zu sehen, wie Menschen sich inmitten dieser Arbeiten aufhalten. Handwerk wird Teil einer Umgebung und beginnt, ein eigenes Leben zu führen.

Geheimnisse der Schmiedekunst

Im Laufe der Jahre sammelt sich Wissen an, das man in Büchern nicht findet.

Zum Beispiel wird viel über das Feuerschweißen mit Borax gesprochen. Das ist eine vollkommen funktionierende Methode. Ich selbst habe aber auch natürlichen Quarzsand verwendet.

Eine Schmiede, in der ich lernte, lag in einer Gegend, in der es solchen Sand reichlich gab. Man konnte ihn im wahrsten Sinne des Wortes eimerweise aus dem Wald holen.

Bei der Herstellung dreilagiger Wikingermesser funktionierte das hervorragend.

Der schönste Moment war, wenn das Schmieden im Licht der untergehenden Sonne stattfand. Genau dann konnte man am besten sehen, wie der Sand verglaste und das Metall darin zusammenschmolz.

Solche kleinen Tricks lernt man normalerweise nicht in der Schule.

Sie werden vom Meister an den Schüler weitergegeben und entstehen durch jahrelange Erfahrung.

Die Schmiede heute

Heute habe ich mit der größeren Produktion eine Pause eingelegt.

Ich gebe Workshops, nehme einige Auftragsarbeiten an und versuche, mit der Zeit zu gehen. Neben der Schmiedearbeit gehören heute auch CAD/CAM-Projekte, Animation, CO₂-Laserschneiden und die Entwicklung eines kleinen Heimcafés zu meinen Tätigkeiten.

Schmiedearbeit in Estland ist heute weitgehend eine Sache von Enthusiasten.

Die Situation hat sich sogar so stark verändert, dass traditionelle Schmiedekohle in Estland seit Jahren nicht mehr verkauft wird. In den Anfangsjahren haben wir einmal sogar ein paar Wochen lang mit Kiefernzapfen gearbeitet.

Es geht schon.

Man braucht nur etwas mehr Geduld.

Und vielleicht ist genau das eine gute Zusammenfassung meines gesamten Weges im Handwerk und in der Schmiedekunst. Es war nicht der einfachste Weg und auch nicht immer die lukrativste Entscheidung. Aber es war ein interessanter, lehrreicher Weg, voller Begegnungen mit Menschen, die dieselbe Leidenschaft teilen: mit den eigenen Händen etwas zu erschaffen.

Wenn sich jemand für Handwerk, Schmieden oder den Aufbau einer kleinen eigenen Schmiede interessiert, helfe ich gerne mit Rat und Erfahrung weiter. Manche Dinge kann man aus Büchern lernen. Die wichtigsten Erkenntnisse entstehen jedoch immer noch in der Schmiede selbst – am Feuer, mit dem Hammer in der Hand und mit neugierig leuchtenden Augen.

Schmieden mit Anleitung eines Schmieds
Nagelschmieden in der Schmiede
Mein erster Nagel aus der Schmiede

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